Vogelkiller Windkraft? Erschießt alle Katzen!

erschienen in der Zeitschrift agrarheute ENERGIE 11/2017, S.22.

Die Windkraft hat mit immer heftigeren Widerständen zu kämpfen. Windkraftanlagen sind hässlich, verspargeln die Landschaft und machen durch ihren gefährlichen Infraschall krank - mindestens. Und dann gibt es noch Unmengen an unschuldigen Vögeln, die von den Rotoren grausam geschreddert werden. Immer wenn neue Windparks geplant werden, schließen sich besorgte Bürger zusammen, um solche Argumente auszutauschen.

Über Geschmack kann man immer streiten. Manch einer findet eine mehrere hundert Meter tiefe Braunkohlegrube schöner als einen Windpark. Akzeptiert. Möglicherweise liegt es aber auch nur daran, dass die Braunkohlegrube anders als der Windpark nicht vor der eigenen Haustür entsteht und das eigene Haus keinem Braunkohlebagger weichen muss.

Tatsächlich senden Windkraftanlagen auch Infraschall aus. Das sind niederfrequente Schallwellen unterhalb der Hörgrenze. Ob diese überhaupt schädlich sind, ist umstritten. Bevor Windkraftgegner jedoch auf Bürgerversammlungen davor warnen, sollten sie sich sehr gut überlegen, ob sie mit dem Auto dorthin fahren. Die Infraschallbelastung im Auto liegt nämlich um Größenordnungen über denen einer Windkraftanlage.

Für Vögel stellen Windkraftanlagen wirklich eine ernstzunehmende Gefahr dar. Die Zahl der getöteten Vögel durch Windkraftanlagen in Deutschland wird auf bis zu 100.000 pro Jahr geschätzt. Das ist bedauerlich. Wer aber wirklich ein Herz für Vögel hat, sollte auch auf helle Wohnungen verzichten. Rund 18 Millionen Vögel sterben jährlich in Deutschland an Glasscheiben. Auch im Straßenverkehr kommen erheblich mehr Vögel ums Leben als durch Windkraftanlagen. Der mit Abstand größte Killer für Vögel ist bei vielen Menschen allerdings der Renner bei Videoclips: Die Katze. In den USA gehen Studien von weit über einer Milliarde durch Katzen getöteten Vögel aus. Wenn Sie also eine Katze beseitigen, retten sie damit mehr Vögeln das Leben als durch eine Windkraftanlage jemals sterben werden.

Die Windkraft ist in Deutschland die wichtigste Technologie zur Bekämpfung des Klimawandels. Wollen wir die schlimmsten Klimakatastrophen vermeiden, brauchen wir einen deutlichen Ausbau der Windkraft. Natürlich muss beim Ausbau der Windkraft auch der Umwelt- und Naturschutz beachtet werden. Doch autofahrende Windkraftgegner mit Hauskatze sollten erst mal ihre Schadstoffschleuder verschrotten, ein Haus an einer Braunkohlegrube kaufen und ihre Katze erschießen, bevor sie weiter gegen die Windkraft kämpfen.

Volker Quaschning

Auch einen Klick wert:

Web-Artikel von Volker Quaschning
Online-Artikel von Volker Quaschning

Eine Vielzahl an Artikeln behandelt aktuelle Themen der Energiepolitik, des Klimaschutzes und des Einsatzes erneuerbarer Energien.

Medienbeiträge von Volker Quaschning
Medienbeiträge von Volker Quaschning

In verschiedenen Print-, Radio- und TV-Interviews nimmt Volker Quaschning Stellung zu aktuellen Fragen über die Energiewende und eine klimaverträgliche Energieversorgung.

Weltweit installierte regenerative Kraftwerksleistung mehr als siebenmal so groß wie die der Kernkraft
Weltweit installierte regenerative Kraftwerksleistung mehr als siebenmal so groß wie die der Kernkraft

Das Wachstum erneuerbarer Energien steigt kontinuierlich. Inzwischen haben regenerative Energien einen Anteil an der weltweiten Kraftwerksleistung von über einem Drittel erreicht. Noch gelingt es aber nicht, die Leistung fossiler Kraftwerke zu reduzieren. Für wirksamen Klimaschutz muss der Ausbau erneuerbarer Energien aber noch weiter gesteigert werden.

Erneuerbare Stromerzeugung steigt schneller als fossile
Erneuerbare Stromerzeugung steigt schneller als fossile

Regenerative Energien deckten zwischen 1990 und 2010 relativ konstant 20 Prozent des weltweiten Strombedarfs. Durch den Ausbau der Windkraft und der Photovoltaik stieg bis zum Jahr 2019 der regenerative Anteil auf 27 Prozent an.

Podcast: Essen wir unsere Zukunft auf?
Podcast: Essen wir unsere Zukunft auf?

Selbst wenn wir unseren gesamten Energiebedarf durch erneuerbare Energien decken, ist die Klimakrise nicht gestoppt. Unsere Ernährung, der viel zu hohe Konsum tierischer Nahrungsmittel und die Art unserer Landwirtschaft verursachen 20 bis 30 % des Treibhauseffekts und ein bedrohliches Massenaussterbens. Dieser Podcast erklärt, was wir ändern müssen, damit wir unsere Zukunft nicht regelrecht aufessen.

Nach oben