Home
 News
 Publikationen
 Informativ
    Interviews
    Online-Artikel  
    Statistiken
    Grafiken
    FAQ
    Fotos
    Downloads
 Interaktiv
 Hüters Corner
 Über mich
 English
 mobile Version

Drucken Suchen RSS-Feed

XING LinkedIn Facebook Twitter Google+


  
Rhein-Zeitung
End­lager machen Atom­strom teuer

Bis 2050 könnten regene­rative Energien den kompletten Energie­bedarf decken

erschienen als Gastbeitrag in der
Rhein-Zeitung vom 16.09.2008, S.2

Viele Deutsche sind beim Thema Atomkraft zwiegespalten: Einerseits versprechen ihnen insbesondere Unionspolitiker niedrige Energiepreise, indem die Atommeiler länger am Netz bleiben. Andererseits birgt die Atomkraft viele Risiken, die vor allem in dem ungeklärten Endlager-Problem liegen. Allerdings fordern auch Verfechter erneuerbarer Energien, sich endlich für ein sicheres Endlager zu entscheiden. Wie unser Gastautor, Professor Volker Quaschning.

Schon lange versuchen die Energiekonzerne und einige Politiker, den mit der rot-grünen Regierung ausgehandelten Atomkonsens zu kippen. Angesichts explodierender Energiepreise trifft dies jüngst auch auf wachsende Zustimmung in der Bevölkerung. Doch immer wenn die Kampagne zur Laufzeitverlängerung deutscher Atommeiler so richtig Fahrt aufnimmt, kommt etwas dazwischen. Mal versagt fast die Notstromversorgung des schwedischen Atomkraftwerks Forsmark, dann brennt ein Trafo beim deutschen Reaktor Krümmel, schließlich tritt Uran im französischen Tricastin aus, und nun kommen auch noch Probleme im Atommülllager im niedersächsischen Asse hinzu.

Eilig wird jedes mal beteuert, dies seien Einzelfälle, die Kernenergie sei sicher und es gäbe keinerlei Gefahr für die Bevölkerung. Doch die Vorfälle zeigen, dass die Atomenergie alles andere als völlig sicher ist. Atomkraftwerke haben hohe Sicherheitsstandards, genauso wie Flugzeuge oder Züge. Dennoch brechen Achsen oder enden Flugzeugstarts in Katastrophen.

Wachsamkeit reduziert sich

Technische Anlagen sind von Menschen entwickelt und können versagen. Im Gegensatz zu Zügen und Flugzeugen ist das Risiko bei einem Reaktorunglück ungleich höher. Doch die Angst vor steigenden Energiepreisen verdrängt diese Gefahr. Das Unglück in Tschernobyl fand im letzten Jahrtausend statt. Auch die Terrorpanik nach dem 11. September 2001 legt sich wieder. Die Gefahr, dass ein Anschlag eine Reaktorkatastrophe auslöst, ist heute aber nicht weniger wahrscheinlich. Gerade das Abstumpfen gegenüber den Gefahren reduziert die Wachsamkeit und erhöht das Katastrophenrisiko.

Das Unfallrisiko heutiger Kernkraftwerke wird sich spätestens in einigen Jahrzehnten weltweit von selbst erledigen. Denn dann geht preiswertes Uran zur Neige. Ein Problem jedoch bleibt: Der radioaktive Müll. Weltweit existiert kein einziges Endlager für hoch radioaktive Abfälle, die noch über Jahrmillionen strahlen. Wenn die Dinosaurier ein Endlager errichtet hätten, müsste es auch heute noch intakt sein. Seit dem haben sich jedoch Kontinente verschoben. Eiszeiten sind gekommen und gegangen. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Änderungen der Grundwasserflüsse - all das müssen Endlager eine Ewigkeit unbeschadet überstehen.

"Selbst die heftigsten Befürworter der Kernenergie werden zu Gegnern, wenn es um radioaktiven Müll in ihrer Nähe geht."

Dass aber nicht alle Ereignisse vorhersehbar sind, zeigt nun das Beispiel des Salzstocks Asse. In dieser lange als sicher gepriesenen Anlage wurden bis 1995 radioaktive Stoffe eingelagert. Das ungewollte Auftreten radioaktiver Salzlauge und der jahrelange unbedarfte Umgang mit den Vorfällen sorgten schließlich für das öffentliche Aufsehen der letzten Wochen. Nun wird auch wieder an der Sicherheit des geplanten Endlagers für hochradioaktive Stoffe in Gorleben gezweifelt.

Doch damit ergeben sich neue Probleme: Ein immer größer werdender Berg an radioaktiven Abfällen ohne wirkliches Entsorgungskonzept. Verschiedene Seiten fordern daher, an der bisherigen Planung festzuhalten und die Lager möglichst schnell in Betrieb zu nehmen. Die Nutzung der Kernenergie ist eben nur dann populär, wenn sie niedrige Preise verspricht. Selbst die heftigsten politischen Befürworter der Kernenergie werden schnell zu Gegnern, wenn es um radioaktiven Müll in ihrer Nähe geht.

Einer der Hauptvorteile von Gorleben ist die relative geographische Abgeschiedenheit mit wenigen Wählern und Stromkunden. Doch dies darf kein Argument für die Standortwahl eines Endlagers sein. Nach der nächsten Eiszeit, kann nämlich die Siedlungsstruktur in Deutschland ganz anders aussehen. Von dem Endlager geht dann aber immer noch eine Gefahr aus.

Sichersten Standort finden

Vielmehr sollte man die Chance nutzen und noch einmal die Sicherheit aller Endlagerpläne prüfen. Beim geringsten Zweifel muss die Suche nach einem neuen Standort erfolgen. Dabei gilt es, den in Deutschland sichersten Standort zu finden und dann auch zu nutzen. Das Verschieben von Atommüll ins Ausland oder das ständige Transportieren von einem Zwischenlager ins nächste sind keine Alternativen. Selbst wenn dann der sicherste Standort direkt unter der Stadt München sein sollte, wäre er trotzdem zu akzeptieren, ohne erneut auf das Sankt-Florians-Prinzip zu setzen.

Die teure und langwierige Endlagersuche zeigt auch die großen finanziellen Risiken der Kernenergie. Ein Grund mehr, am mühsam errungenen Ausstiegskonsens festzuhalten und endlich auf saubere Alternativen zu setzen. Erneuerbare Energien werden immer schneller ausgebaut und können ausgelaufene Kernkraftwerke problemlos ersetzen. Bis zum Jahr 2050 könnten sie sogar die komplette Energieversorgung sicherstellen. Das einzige aber vielleicht überschaubare Restrisiko ginge dann von dem bis hoffentlich dahin gefundenen sicheren Endlager in Deutschland aus.



Auch einen Klick wert:
Web-Artikel von Volker Quaschning

Eine Vielzahl an Artikeln behandelt aktuelle Themen der Energiepolitik, des Klimaschutzes und des Einsatzes erneuerbarer Energien. mehr... 
Interviews von Volker Quaschning

In verschiedenen Print-, Radio- und TV-Interviews nimmt Volker Quaschning Stellung zu aktuellen Fragen über die Energiewende und eine klimaverträgliche Energieversorgung. mehr... 
Volkskrankheit Ausschreibungen

Die Energiewende in Deutschland hat eine neue Volkskrankheit: Ausschreibungen. Sie verhindern, dass die für den Klimaschutz nötigen Mengen an PV und Windkraft gebaut werden, zerstören die Akzeptanz der Windkraft und sorgen für ungenutzte Solardächer. Zeit zum Umdenken.  mehr... 
Video: So funktioniert eine Solarzelle

In vielen Regionen der Welt zählt die Photovoltaik inzwischen zu den preiswertesten Arten der Stromversorgung. Die Solartechnik wird schon bald den Energiemarkt dominieren. Wie eine Solarzelle funktioniert, ist aber für Viele schwer zu verstehen. Das ändert dieses Erklärvideo.  mehr... 
Deutschland versagt beim Klimaschutz: Treibhausgasemissionen stiegen 2016 wieder an

Trotz aller Klimaschutzversprechen der deutschen Regierung sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland im Jahr 2016 wieder angestiegen. Um den globalen Temperaturanstieg durch den Klimawandel auf 1,5°C zu begrenzen, sollten die Kohlendioxidemissionen spätestens im Jahr 2040 auf null sinken. Dazu reichen die deutschen Klimaschutzmaßnahmen aber nicht einmal ansatzweise aus.  mehr... 

 nach oben
Solaranlagen, Photovoltaik, Solarthermie Haftungsausschluss
Impressum