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Interview: Mit den aktuellen EEG-Aus­bau­zielen ist kein Klima­schutz möglich

erschienen in der Zeitsschrift erneuerbare energien 05/2015, S.14-15.

INFO

Problem Braunkohle Herr Professor Quaschning, Sie haben sich mit den Aus­bau­zielen für Photo­voltaik (PV) beschäftigt. Was ist das Ergebnis?

Wir haben analysiert, was passiert, wenn die aktuellen Zielkorridore über die nächsten 30 Jahre fortgeschrieben werden. Dann werden wir es in Deutschland nicht einmal schaffen, den Kohleanteil spürbar zu reduzieren. Für eine echte Energiewende brauchen wir im Bereich der Bioenergie sieben- bis achtfach höhere Zielkorridore. Bei der Windenergie müsste es zwei- bis dreimal so viel sein, bei der Photovoltaik drei- bis viermal so viel. Es geht also nicht um kleine Korrekturen, sondern wir müssen die aktuelle Energiepolitik fundamental hinterfragen, denn mit den jetzigen Maßnahmen werden wir die Energiewende in Deutschland bis 2050 nicht einmal ansatzweise realisieren können.

Mit den jetzt vorgesehenen 2,5 Gigawatt (GW) je in PV und Wind und 100 MW für Bioenergie erreichen wir die Klimaschutzziele nicht?

Die versprochenen 40 Prozent CO2-Reduktion bis 2020, werden wir so oder so nicht mehr erreichen. Bis 2020 werden wir den Kohleanteil mit den aktuellen EEG-Zielkorridoren kaum reduzieren können. Im Gebäudebereich passiert auch nichts. 2040, allerspätestens 2050 müssen wir aber komplett CO2-frei werden, wenn wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen wollen. Die Bundesregierung hat klar versprochen, dass sie sich für das Zwei-Grad-Ziel einsetzt, sodass die globale Erwärmung nicht über die zwei Grad hinausgeht. Momentan steuern wir aber auf fünf Grad Erwärmung im Jahr 2100 zu. Wenn die Regierung den Klimaschutz ernst meint, muss bald ein deutlich schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien folgen.

Die PV hängt ja sogar noch unterhalb ihres Ausbaukorridors. Was müsste da passieren?

Die PV befindet sich jetzt da, wo man die haben wollte. Bei Schwarz-Gelb hatte man einen 1-Gigawatt-Deckel in die Diskussion gebracht. Das wurde verworfen, weil der Sturz von 7,5 auf ein Gigawatt doch erheblich gewesen wäre. Also hat man die 2,5 Gigawatt ins Gesetz geschrieben, ist aber momentan gar nicht böse, dass die Installationszahlen deutlich darunter liegen. Die Regierung kommuniziert nun, dass PV und Wind zusammen doch einigermaßen im Soll liegen. Da ist nicht ansatzweise zu erkennen, dass die Regierung überhaupt etwas ändern möchte. Das lässt sich ganz einfach begründen. Es gibt Ausbauschwellen, ab denen der Weiterbetrieb von konventionellen Kraftwerken gänzlich in Frage gestellt wird. Bei der PV liegt diese Schwelle zwischen 50 und 60 Gigawatt. Wenn wir diese überschreiten, können wir in den Frühjahrs- und Sommermonaten, die konventionellen Grundlastkraftwerke nur noch schwer ins Netz integrieren. Will man keinen Kohleausstieg, müsste man dann massiv PV abregeln, was wiederum hohe Kosten verursacht. Deswegen war von Anfang an das Ziel, 50 bis 60 GW nicht zu überschreiten. Der Zielkorridor über 20 Jahre mit 2,5 Gigawatt ergibt als Endausbau genau 50 Gigawatt. Im EEG ist zusätzlich ein Deckel bei 52 Gigawatt festgeschrieben. Das heißt, man hat eine Menge Schranken und Fallstricke eingebaut, damit die Photovoltaik in Deutschland nicht über 50 bis 60 Gigawatt hinauskommt. Seit der 52-GW-Deckel 2011 im EEG festgeschrieben wurde, ist das Ziel für alle klar erkennbar. Der Solarstromanteil soll in Deutschland auch langfristig unter 10 Prozent bleiben. Mit den anderen Regenerativquellen wird es aber schwer, die Versorgung vollständig abzudecken. Solange konventionelle Player am Markt sind, ist das aber auch nicht das Ziel. Einige glauben, die Regierung ist gutwillig und will am Ende die 2,5 Gigawatt des Zielkorridors auch erreichen. Das sehe ich nicht so.

Was halten Sie von dem Vorschlag, die Degression zu korrigieren?

Viel billiger wäre es, das zerstörte Vertrauen in die Solartechnik wieder aufzubauen. Über den Eigenverbrauch lassen sich mit der PV an guten Standorten durchaus noch ordentliche Renditen erzielen. Die Anlagen werden aber zum Teil trotzdem nicht gebaut, weil viele Bürger den Eindruck haben, die Photovoltaik ist teuer, rechnet sich nicht und ist politisch nicht mehr gewollt. Die billigste Art, den Ausbau wieder zu beschleunigen, wäre das Vertrauen mit einem klaren Bekenntnis zu einer Energiewende mit Bürgerbeteiligung wieder herzustellen. Eine Maßnahme dazu wäre, die Eigenverbrauchsumlage wieder zu streichen. Damit würde die Bundesregierung ein deutliches Zeichen setzen.

Das Gespräch führte Nicole Weinhold.



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