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Zeitschrift Joule
Nun rettet doch endlich den Planeten

erschienen in der Zeitschrift joule 3/2016, S.25.

Der Beitrag wurde auch als YouTube-Video aufbereitet.

"Wir haben heute alle zusammen Geschichte geschrieben", feierte die Bundes­umwelt­ministerin auf ihrer Webseite ihr Engagement beim Pariser Klima­gipfel im Dezember 2015. "Zum ersten Mal machen sich alle Länder dieser Welt gemeinsam auf den Weg, den Planeten zu retten." Doch mit der aktuellen deutschen Energie­politik dürfte es mit dem Platz in der Geschichte nichts werden. Nicht einmal 13 % unseres Primärenergieverbrauchs wurden 2015 klimaneutral durch erneuerbare Energien gedeckt. Beim jetzigen Umbautempo ist eine kohlendioxidfreie Energieversorgung erst nach 2100 zu erwarten.

Die globale Erwärmung beträgt mittlerweile schon rund 1 °C. Die Folgen des Klimawandels sind kaum noch zu übersehen. Bei "business as usual" erwarten die aktuellen Klimaberichte für 2100 einen Temperatur­anstieg um 4 bis 5 °C. Langfristig dürften dann die Meeresspiegel um rund 10 m steigen. Dann reden wir nicht mehr wie heute über 50 Millionen Flüchtlinge weltweit, sondern über mehr als 500 Millionen! Um das zu verhindern, soll das Pariser Klimaabkommen die globale Erwärmung auf maximal 2 °C begrenzen. Da hierbei auch schon der Untergang tiefliegender Inselstaaten droht, wollen die Vertragsstaaten die Temperaturen möglichst um nicht mehr als 1,5 °C steigen lassen.

Die deutsche Klimaschutz­politik zielt seit vielen Jahren auf eine Reduktion der Treibhausgase­missionen um mindestens 80 % bis zum Jahr 2050. Das aktuelle Tempo der Energiewende steht dazu allerdings im krassen Widerspruch. Doch selbst wenn wir dieses Ziel erreichen sollten, wäre es für die 1,5-Grad-Grenze zu spät. Hierfür müssten die Kohlendioxidemissionen bereits in den nächsten 25 Jahren um 100 % sinken. Kohleausstieg in 15 Jahren, Verbot von Öl- und Gasheizungen in spätestens fünf und 100 % Elektro-Neufahrzeuge in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren - das wäre dafür nötig.

Ohne diese Maßnahmen werden wir zu viel emittiertes Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre rausholen und in gigantischen Endlagern sicher unter der Erde speichern müssen. Wir sollten vorschlagen, diese Endlager in Bayern direkt unter der Staatskanzlei zu errichten. Der bayerische Ministerpräsident würde postwendend Obergrenzen für den Kohlendioxidausstoß fordern. Dann wird das vielleicht doch noch etwas mit der Rettung des Planeten und dem Platz in der Geschichte.

Für einen wirksamen Klimaschutz dürfen wir nicht länger die leeren Klimaschutzversprechungen der Regierung akzeptieren. Den Worten müssen nun endlich Taten folgen - und wir müssen den Druck dafür erzeugen.

Volker Quaschning

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